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Magazin des Grimme-Instituts

"Adolf Grimme Preis mit Gold 1999"
Begründung der Jury,
Adolf Grimme Institut, Marl

Adolf Grimme Preis in Gold an: Jürgen Stähle
für herausragende Simultanübersetzungen im Fernsehen

Begründung der Jury:
Wir hören Harry Belafonte - ein entspannter, witziger, aber auch nachdenklicher Gesprächspartner. Wir lauschen Schachweltmeister Gari Kasparow - ein unverkrampfter, gleichwohl analytischer Kopfmensch. Und wir erleben den Tennischampion Pete Sampras - ein nüchterner, strebsamer, tougher Spitzensportler.

Wir vergessen, daß all diese Stars englisch, ja, wir glauben, daß sie deutsch sprechen. Und das ist Jürgen Stähle zu verdanken.Er ist Simultandolmetscher. Welch eine dürftige Bezeichnung für diese kreative, einfühlsame Tätigkeit! In Wirklichkeit ist Stähle ein dolmetschender Synchronsprecher - einer, der sich in den Sprachgestus, den Duktus, die Selbstdarstellung des jeweiligen Talkgastes hineinversetzt. Und dies unprätentiös, zurückhaltend, uneitel.

Seine warme ansprechende Stimme ist ein Hörgenuß für jeden Fernsehzuschauer. Er besitzt die hohe Gabe, schwierigste Sachverhalte aus den verschiedensten Themenbereichen - der Poltik, Medizin, Theologie, Philosophie, Antropologie oder des Sports - auf angenehme und gut verständliche Weise zu vermitteln. Und er spürt der Stimmung der Interviewten nach: Wenn Belafonte lächelt, dann lächelt auch Stähle, wenn Kasparow grübelt, dann grübelt auch Stähle, wenn Sampras coole Statements abgibt, dann wird auf einmal auch Stähle cool.

Ohne Stähle wäre manches Interview ein toter Sprachgegenstand, er erweckt es zum Leben. Jürgen Stähle ist eben mehr als nur ein Dolmetscher: Er ist ein Interpret, der nicht nur Sinnvermittlung, sondern auch die Wiedergabe sprachmentaler Unterschiede zwischen Gesprächsteilnehmern verschiedener Nationen und Kulturen zu leisten vermag.