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Adolf Grimme Preis in Gold an: Jürgen Stähle
für herausragende Simultanübersetzungen im Fernsehen
Begründung der Jury:
Wir hören Harry Belafonte - ein entspannter, witziger, aber
auch nachdenklicher Gesprächspartner. Wir lauschen Schachweltmeister
Gari Kasparow - ein unverkrampfter, gleichwohl analytischer Kopfmensch.
Und wir erleben den Tennischampion Pete Sampras - ein nüchterner,
strebsamer, tougher Spitzensportler.
Wir vergessen, daß all diese Stars englisch, ja, wir glauben,
daß sie deutsch sprechen. Und das ist Jürgen Stähle
zu verdanken.Er ist Simultandolmetscher. Welch eine dürftige
Bezeichnung für diese kreative, einfühlsame Tätigkeit!
In Wirklichkeit ist Stähle ein dolmetschender Synchronsprecher
- einer, der sich in den Sprachgestus, den Duktus, die Selbstdarstellung
des jeweiligen Talkgastes hineinversetzt. Und dies unprätentiös,
zurückhaltend, uneitel.
Seine warme ansprechende Stimme ist ein Hörgenuß für
jeden Fernsehzuschauer. Er besitzt die hohe Gabe, schwierigste Sachverhalte
aus den verschiedensten Themenbereichen - der Poltik, Medizin, Theologie,
Philosophie, Antropologie oder des Sports - auf angenehme und gut
verständliche Weise zu vermitteln. Und er spürt der Stimmung
der Interviewten nach: Wenn Belafonte lächelt, dann lächelt
auch Stähle, wenn Kasparow grübelt, dann grübelt
auch Stähle, wenn Sampras coole Statements abgibt, dann wird
auf einmal auch Stähle cool.
Ohne Stähle wäre manches Interview ein toter Sprachgegenstand,
er erweckt es zum Leben. Jürgen Stähle ist eben mehr als
nur ein Dolmetscher: Er ist ein Interpret, der nicht nur Sinnvermittlung,
sondern auch die Wiedergabe sprachmentaler Unterschiede zwischen
Gesprächsteilnehmern verschiedener Nationen und Kulturen zu
leisten vermag.
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