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Stuttgarter Nachrichten

"Stuttgarter Simultandolmetscher erhält Adolf Grimme Preis"
Nikolai B. Forstbauer,
Stuttgarter Nachrichten

Hüter der Sprache

Erstmals in der Geschichte des Grimme-Preises geht die Fernsehauszeichnung an einen Dolmetscher - den Stuttgarter Jürgen Stähle.

Millionen Fernsehzuschauern ist seine Stimme bekannt - ein sich auffächernder Klang, bestimmt vom Moment der Überraschung. Das Jetzt und Hier hat in den Übertragungen des Dolmetschers Jürgen Stähle eine Unbedingtheit, die Kommunikation zur Kunst macht - und die Meßlatte in von Berufskollegen selten erreichte Qualitätshöhen legt. "Wir sind auch Hüter der Sprache", sagt Stähle - und als solcher ist er nun mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet worden.

"Wir tragen einen guten und wichtigen Teil der Kommunikation mit unseren europäischen Nachbarn" - Jürgen Stähle sieht in der Auszeichnung eine grundsätzliche Bestätigung seines Berufsstandes. "Ich setze auf eine Signalwirkung", sagt er - und hofft andererseits, daß "der Schuß nicht nach hinten losgeht", Dolmetscher nicht mit Künstlern verwechselt werden. Dolmetschen, so betont der 49jährige Stähle, der seit 1982 ein eigenes Büro in Stuttgart hat, verlange neben einem sprachwissenschaftlichen Universitätsstudium und intensiver praktischer Fortbildung die Fähigkeit, sich zurücknehmen zu können, dienen zu können.

Gefahr drohe der für den Erfolg von Konferenzen oder der kongenialen Intensität von Gesprächen notwendigen Qualität indes von der aktuellen "Deregulierung" des Dolmetschermarkts. Stähle: "Die Kunden neigen dazu, das Billigste einzukaufen." Ebendies aber stelle die Anforderung in Frage, "Denkstrukturen bruchlos kenntlich zu machen" und zudem gleichzeitig die "Identität der deutschen Sprache zu erhalten".

Die "Herausforderung, so zu dolmetschen, daß der Zuschauer gebannt wird", nimmt Jürgen Stähle heute an einem besonderen Ort wahr: Beim restlos ausverkauften treffpunkt foyer der "Stuttgarter Nachrichten" heute in der Alten Reithalle dolmetscht Stähle, erster Grimme-Preisträger seines Berufes überhaupt, in Stuttgart den Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen.