|
Hüter der Sprache
Erstmals in der Geschichte des Grimme-Preises geht die Fernsehauszeichnung
an einen Dolmetscher - den Stuttgarter Jürgen Stähle.
Millionen Fernsehzuschauern ist seine Stimme bekannt - ein sich
auffächernder Klang, bestimmt vom Moment der Überraschung.
Das Jetzt und Hier hat in den Übertragungen des Dolmetschers
Jürgen Stähle eine Unbedingtheit, die Kommunikation zur
Kunst macht - und die Meßlatte in von Berufskollegen selten
erreichte Qualitätshöhen legt. "Wir sind auch Hüter
der Sprache", sagt Stähle - und als solcher ist er nun
mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet worden.
"Wir tragen einen guten und wichtigen Teil der Kommunikation
mit unseren europäischen Nachbarn" - Jürgen Stähle
sieht in der Auszeichnung eine grundsätzliche Bestätigung
seines Berufsstandes. "Ich setze auf eine Signalwirkung",
sagt er - und hofft andererseits, daß "der Schuß
nicht nach hinten losgeht", Dolmetscher nicht mit Künstlern
verwechselt werden. Dolmetschen, so betont der 49jährige Stähle,
der seit 1982 ein eigenes Büro in Stuttgart hat, verlange neben
einem sprachwissenschaftlichen Universitätsstudium und intensiver
praktischer Fortbildung die Fähigkeit, sich zurücknehmen
zu können, dienen zu können.
Gefahr drohe der für den Erfolg von Konferenzen oder der kongenialen
Intensität von Gesprächen notwendigen Qualität indes
von der aktuellen "Deregulierung" des Dolmetschermarkts.
Stähle: "Die Kunden neigen dazu, das Billigste einzukaufen."
Ebendies aber stelle die Anforderung in Frage, "Denkstrukturen
bruchlos kenntlich zu machen" und zudem gleichzeitig die "Identität
der deutschen Sprache zu erhalten".
Die "Herausforderung, so zu dolmetschen, daß der Zuschauer
gebannt wird", nimmt Jürgen Stähle heute an einem
besonderen Ort wahr: Beim restlos ausverkauften treffpunkt foyer
der "Stuttgarter Nachrichten" heute in der Alten Reithalle
dolmetscht Stähle, erster Grimme-Preisträger seines Berufes
überhaupt, in Stuttgart den Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen.
|